Faszien-Anatomie: Einblicke in die Struktur (3. Teil)

Zur besseren Orientierung und um die Zusammenhänge klarer zu machen, folgt zunächst eine kurze Beschreibung der einzelnen Faszienschichten. In der Fachliteratur, insbesondere im Lehrbuch Faszien, werden sie in vier Hauptkategorien unterteilt. Diese Einteilung hilft dabei, ihre jeweilige Struktur und Funktion besser zu verstehen.

Einteilung der Faszien

1. Fascia superficialis

Die Fascia superficialis, auch bekannt als oberflächliche Faszie oder Hautfaszie, liegt direkt unter der Dermis und bildet eine wichtige Verbindung zwischen Haut und tieferliegenden Gewebestrukturen. Sie besteht aus lockerem Bindegewebe mit einem hohen Anteil an Fettgewebe und wird in der klassischen Anatomie auch als Subkutis bezeichnet.

Diese Faszienschicht ist reich an Blut- und Lymphgefässen sowie Nervenbahnen, die eine entscheidende Rolle in der Versorgung der Haut und der sensorischen Wahrnehmung spielen. Anatomisch betrachtet zeigt die Fascia superficialis eine kammersystemartige Struktur, in der das Fettgewebe eingebettet ist. Diese Fettkompartimente dienen nicht nur als Energiespeicher, sondern haben auch eine wichtige Funktion in der Immunabwehr und der thermischen Isolation des Körpers.

Besonders im Bauch- und Rückenbereich ist die membranartige Struktur der Fascia superficialis gut erkennbar. Hier bildet sie eine flexible, aber dennoch stabile Schicht, die sich an Bewegungen anpasst und gleichzeitig als mechanischer Puffer wirkt. Durch ihre enge Verbindung mit dem vegetativen Nervensystem spielt sie zudem eine bedeutende Rolle bei der Regulation von Stress, der emotionalen Verarbeitung und der sensorischen Rückkopplung zwischen Haut und inneren Organen.

2. Fascia profunda

Die Fascia profunda ist eine tief liegende Bindegewebsschicht, die aus dichten kollagenen Faserbündeln besteht und sich in ihrer Faserrichtung an die jeweilige Muskelgruppe anpasst. Sie bildet Kompartimente, in denen Muskeln mit ähnlicher Funktion zusammengefasst sind. Innerhalb dieser Kompartimente finden sich weitere Unterstrukturen wie das Perimysium, das einzelne Muskelfaserbündel umgibt, und das Endomysium, das die einzelnen Muskelfasern umhüllt. Am Rumpf weist die Fascia profunda einen dreiblättrigen Schichtaufbau auf, der von aussen nach innen unterteilt wird. Zwischen den einzelnen Laminae liegt zudem Muskulatur, wobei jeder Muskel individuelle Kraftvektoren in unterschiedliche Richtungen besitzt. Durch ihre enge Verbindung mit der Knochenhaut (Periost) und den Sehnen spielt die Fascia profunda eine essenzielle Rolle bei der Kraftübertragung und biomechanischen Stabilität.

3. Fascia visceralis

Faszien umhüllen die inneren Organe und gewährleisten sowohl deren Fixierung als auch Mobilität. Sie spielen eine zentrale Rolle in der Interaktion zwischen den Organen, dem vegetativen Nervensystem und der allgemeinen Körperhomöostase.

Jedes Organ ist von einer doppelten faszialen Schicht umgeben, die mit Flüssigkeit gefüllt ist, um eine reibungslose Bewegung zu ermöglichen. Die äussere Schicht ist kräftig und formgebend, während die innere dünn und flexibel bleibt, um die Beweglichkeit des Organs zu unterstützen.

Die Aufhängung der Organe erfolgt über zwei fasziale Laminas, die Stabilität verleihen und gleichzeitig Beweglichkeit ermöglichen. In ihnen verlaufen essenzielle Versorgungsstrukturen wie Blutgefässe und Lymphbahnen. Verkleben diese faszialen Schichten, kann dies zu Zirkulationsstörungen führen und die Organfunktion beeinträchtigen.

4. Fascia neurovascular

Die Faszien umgeben das Nervensystem und die Gefässe, erstrecken sich durch den gesamten Körper und sind eng mit der neuronalen Signalweiterleitung verbunden. Sie bestehen aus dünnem, elastischem Bindegewebe, das eine hohe Flexibilität aufweist und so die Anpassung an die Bewegungen der Nerven und Gefässe ermöglicht. Diese neurogenen Faszien sind in mehrere Unterstrukturen gegliedert und spielen eine entscheidende Rolle bei der Reizweiterleitung sowie beim Schutz des Nervengewebes.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Faszien eine zentrale Rolle im Körper spielen, indem sie alle Strukturen miteinander verbindet. Besonders die Fascia superficialis ist entscheidend für das vegetative Nervensystem, da beide sich gegenseitig beeinflussen – vom VNS zur Faszie und von der Faszie zum vegetativen Nervensystem.

Im nächsten Blog werfen wir einen genaueren Blick auf die Fascia superficialis und ihre Bedeutung für unseren Alltag. Bleiben Sie dran!

Quelle: Lehrbuch Faszien / Grundlagen – Forschung – Behandlung / Elsevier / Auflage 1

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