Allgemeines über das Kiefergelenk – TMG (Teil 1)
Das Kiefergelenk ist ein kleines, aber äusserst komplexes Gelenk, das eine zentrale Rolle bei alltäglichen Funktionen wie Kauen, Sprechen und Schlucken spielt. Durch seine enge Verbindung zu Muskeln, Nerven, Faszien und dem Hormonsystem kann es weitreichende Auswirkungen auf den gesamten Körper haben. Störungen im Kiefergelenk können daher vielfältige Beschwerden verursachen, die weit über den Mund- und Kieferbereich hinausgehen.
Gelenkaufbau und Funktionen der einzelnen Teile
Das Kiefergelenk, auch als Temporomandibulargelenk (TMG) bezeichnet, setzt sich aus dem Unterkiefer (Mandibula) und dem Schläfenbein (Os temporale) zusammen. (Anmerkung: Der Oberkiefer ist nicht direkt am Kiefergelenk beteiligt.) Die Gelenkflächen sind mit Knorpel überzogen, der durch die Gelenkflüssigkeit (Synovia) ernährt wird, da der Knorpel selbst nicht durchblutet ist.
Zwischen den beiden Gelenkflächen befindet sich der Faserknorpel (Diskus articularis ), der einerseits als Schutz dient, andererseits Unebenheiten im Gelenk ausgleicht und die Bewegungen im Gelenk mit steuert. Der Knorpel ist mit einem Kaumuskel, dem M. pterygoideus lateralis (Pars superior), verbunden. Richtung äusserem Gehörgang ist er mit der gefässreichen Zone bilaminaris verbunden, die eine wichtige Rolle für den Stoffwechsel im Gelenk spielt.
Schliesslich besteht eine Verbindung zwischen der hinteren Kiefergelenkskapsel und der Paukenhöhle (Mittelohr) über die Glasersche Spalte (Fissura petrotympanica). In dieser Spalte verlaufen eine Arterie sowie ein Ast des Nervus facialis.
Symptome was das TMG verursachen kann
- Schmerzen im Gelenk und umliegenden Strukturen
- Schmerzausstrahlung in andere Körperregionen
- Schmerzen beim Kauen, Sprechen oder Gähnen
- Einschränkungen der Mundöffnung oder -schliessung
- Knacken, Knirschen (Bruxismus) oder Pressen
- Kieferluxationen
- Druckgefühl auf dem Ohr
- Tinnitus
- Verspannte Kaumuskulatur
- Schwindel
- Einfluss auf die Psyche
Das kleine Gelenk mit grosser Auswirkung
Obwohl das Kiefergelenk klein ist, kann es erhebliche Beschwerden verursachen. In diesem Fall spricht man von einer CMD – einer Craniomandibulären Dysfunktion. Eine CMD kann über fasziale, muskuläre, organische und nervale Ketten an verschiedenen Stellen des Körpers Symptome hervorrufen.
Das bedeutet: Rückenbeschwerden, Schulterbeschwerden oder Ohrgeräusche (Tinnitus) können ihren Ursprung im Kiefergelenk haben – bedingt durch die zahlreichen anatomischen Verbindungen.
Die Verbindung mit dem Hormonhaushalt
Erwähnenswert ist auch die Verbindung zum Hormonsystem über die Hypophyse. Diese liegt im sogenannten Türkensattel (Sella turcica) in der mittleren Schädelgrube. Ein Ungleichgewicht der verbindenden faszialen und nervalen Strukturen kann den Hormonhaushalt beeinflussen.
Somit kann das Kiefergelenk indirekt Auswirkungen auf Wachstum, Stoffwechsel, Wasserhaushalt und Sexualfunktionen haben, da diese von der Hypophyse reguliert werden.
Was die das Kiefergelenk mit nervalen Strukturen zu tun hat
Das Kiefergelenk ist über fasziale Netzwerke und Nervenbahnen direkt mit dem Gehirn verbunden. Besonders relevant sind hierbei der Nervus vagus und der Nervus trigeminus, da sie für zahlreiche sensorische und motorische Signalübertragungen verantwortlich sind.
Zusammengefasst heisst das:
Das Kiefergelenk ist ein komplexes Gelenk mit wichtigen Verbindungen zu Muskeln, Nerven, Ohren und dem Hormonsystem. Störungen (CMD) können weitreichende Beschwerden wie Schmerzen, Bewegungseinschränkungen, Tinnitus, Schwindel, Verspannungen und psychische Beeinträchtigungen verursachen. Aufgrund seiner Vernetzung kann das Kiefergelenk den gesamten Körper beeinflussen.



