Die Behandlungsmöglichkeiten bei Kiefergelenksbeschwerden – TMG (Teil 3)
Nach der Befundung des Kiefergelenks werden je nach Ergebnis unterschiedliche therapeutische Techniken angewendet, um Schmerzen, Einschränkungen oder Funktionsstörungen zu behandeln. Im Folgenden werden drei zentrale Ansätze – der muskuläre Ansatz, die Arthrokinematik und die neuromuskuläre Technik – vorgestellt.
Nach der Befundung des Kiefergelenks gibt es je nach Befund verschiedene Techniken, die dafür geeignet sind. Dabei werden verschiedene Strukturen am und um das Kiefergelenk behandelt. Im folgenden Text werden diese Techniken genauer erläutert.
Muskulärer Ansatz
Um den Kiefer befinden sich diverse Muskeln, die für die Mundöffnung, den Mundschluss sowie für Bewegungen nach links–rechts und nach vorne–hinten zuständig sind. Wie bereits bekannt, können in der Muskulatur Triggerpunkte auftreten, die entweder aktiv oder latent sein können.
Ein Triggerpunkt entsteht durch eine Überbelastung, ein Trauma oder eine Fehlbelastung des Muskels, da dies zu einer verminderten Durchblutung und später lokal zu einem herabgesetzten Metabolismus (Stoffwechsel) führt. Der Muskel kann sich an dieser Stelle nicht mehr richtig entfalten, was Schmerzen oder Funktionseinschränkungen zur Folge haben kann.
Für die muskuläre Behandlung unterscheiden wir im Befund, ob der Triggerpunkt akut oder chronisch ist, und richten die Therapie entsprechend aus:
- Akut: Der Triggerpunkt darf nicht zu stark und nicht zu lange gereizt werden, das heisst nur kurz und sanft, da der erzeugte Schmerz sonst negativ abgespeichert wird und der Muskel sich nicht mehr richtig adaptieren kann.
- Chronisch: Besteht der Triggerpunkt bereits über einen längeren Zeitraum, kann in der Therapie ein stärkerer Reiz gesetzt werden, um die Durchblutung und den Stoffwechsel wieder zu aktivieren.
Arthrokinematik – Gelenkbewegung/-gleiten
Findet durch das Muscle Coaching keine spürbare oder sichtbare Veränderung statt, sind möglicherweise Strukturen im oder um das Gelenk verklebt, sodass sich das Gelenk nicht geschmeidig und frei bewegen kann. Folgende Strukturen können von Adhäsionen (Verklebungen) betroffen sein:
- Gelenkkapsel
- Bänder
- Diskus
Diese Verklebungen werden mittels manueller Techniken gelöst. Durch Druck-, Zug-, Stoss- und Kompressionsbewegungen wird im Gelenk auch wieder die Produktion der Gelenkflüssigkeit (Synovia) angeregt. Diese ist relevant für die Versorgung des Gelenkknorpels mit wichtigen Nährstoffen, da dieser keine eigene Blutversorgung besitzt.
Zunächst erfolgt jedoch die Joint-Play-Untersuchung, da wir zuerst herausfinden wollen, in welcher Bewegungsachse das Gelenk eingeschränkt ist oder wo es Schmerzen auslöst. Dazu untersucht der Therapeut die betroffene Seite, indem er über seinen Daumen intraoral (über den Mund des Patienten) Druck auf den Unterkiefer ausübt und das Gelenk in verschiedene Richtungen verschiebt. Dabei wird auf das Gleiten im Gelenk geachtet: Fühlt es sich harmonisch an oder nicht? Wie ist das Endgefühl? Eine gesunde Gelenkkapsel sollte ein fest-elastisches Endgefühl aufweisen; bei strukturellen Veränderungen kann sie hingegen ein hartes Endgefühl zeigen und Schmerzen verursachen.
Neuromuskuläre Technik
Nun tauchen wir noch in das Nervensystem ein und widmen uns mit dieser Technik dem 7. Hirnnerven – dem Nervus facialis – und dem 5. Hirnnerven – dem Nervus trigeminus. Diese Nerven treten an verschiedenen Stellen am Schädel und Kiefer aus; dabei kann es an diesen Austrittsstellen zu Reizungen und schließlich zu Verklebungen kommen. Man kann sich das wie eine verstopfte Leitung vorstellen: Es kommt nichts mehr richtig durch – und ähnlich verhält es sich bei den Nerven. Die Verklebungen blockieren die Signalweiterleitung, was zu einer fehlenden Ansteuerung der Muskulatur des Kauapparates oder der Gelenkkapsel führen kann.
Da der Nervus trigeminus auch für Geruch und Geschmack zuständig ist, können bei Blockaden ebenfalls der Geruchs- und Geschmackssinn beeinträchtigt sein. Bei Blockaden des Nervus facialis können zudem die Mundöffnung oder das Gehör betroffen sein.
Ziel der Behandlung ist es, die Austrittsstellen der Nerven wieder frei zu machen, sodass das Signal erneut ungehindert an den Erfolgsort gelangen kann. Nerven reagieren empfindlich auf dauerhaften Druck, da dieser zu irreversiblen (nicht rückgängig machbaren) Schäden führen kann; daher wird bei der Behandlung eine spezielle, schonende Technik angewendet.
Bei einem positiven Befund wird mit einem Finger sanft Druck und Rotation auf die Haut über der Nervenaustrittsstelle ausgeübt und anschließend schnell wieder gelöst. Dadurch wird der Stoffwechsel um den Nerv angeregt und bestehende Verklebungen können sich lösen. Der Patient wird nach der Behandlung sowohl lokal als auch hinsichtlich seiner Beschwerden eine Linderung wahrnehmen.
Zusammengefasst heisst das:
Die Behandlung des Kiefergelenks umfasst verschiedene Techniken, die unterschiedliche Strukturen adressieren. Der muskuläre Ansatz behandelt Triggerpunkte in der Kaumuskulatur, wobei zwischen akuten und chronischen Befunden unterschieden wird. Die Arthrokinematik zielt darauf ab, Verklebungen im Gelenk zu lösen und die Gelenkbeweglichkeit zu verbessern. Die neuromuskuläre Technik fokussiert sich auf den Nervus trigeminus und Nervus facialis, um Reizungen an den Nervenaustrittsstellen zu lösen und die Signalweiterleitung zu optimieren.



