Behandlung einer erhöhten Sympathikus-Aktivität durch Faszien-Therapie

In diesem letzten Beitrag meiner Blogserie möchte ich meine Herangehensweise zur Regulation einer überaktiven Sympathikus-Aktivität vorstellen. Dabei ist es entscheidend, immer zuerst die Kontraindikationen abzufragen (die der Bindegewebstherapie). Treten während der Behandlung vegetative Reaktionen auf, gleiche ich diese gezielt mit etablierten Ausgleichsgriffen aus. Zum Abschluss der Behandlung erfolgt stets eine gezielte Aktivierung des ventralen Vagus, um das vegetative Nervensystem in einen ausgeglichenen Zustand zu bringen.

Indikation zur Behandlung

Wenn ich anhand der Inspektion und Palpation des Rückens feststelle, dass eine vegetative Dysregulation sympathikoton bedingt ist, wende ich die nachfolgend beschriebene Therapie an.

Therapeutische Zielsetzung

Lokal:

  • Ich erzeuge eine Hyperämisierung (lokale Durchblutungssteigerung), um Wärme zuzuführen.
  • Ich verbessere die Viskosität der Hyaluronsäure, damit das Fasziengewebe geschmeidiger wird.
  • Ich unterstütze eine tiefere Atmung, da sie reflektorisch zur Regulation der Hyaluronsäure beiträgt.

Reflektorisch:

  • Ich beeinflusse den Sympathikus über die Spinalnerven, die zu 80 % sympathische Fasern enthalten.
  • Ich steigere kurzfristig die sympathische Aktivierung, um eine nachhaltige vegetative Reorganisation zu fördern.
  • Ich verbessere die Faszienverschiebbarkeit, was langfristig zur Selbstregulation des autonomen Nervensystems beiträgt.

Behandlungsablauf

1) Sympathikus aktivieren

Techniken:

  • Ich nutze hyperämisierende Griffe (z. B. Hautknetungen, Gewebsrollen in variabler Intensität).
  • Ich setze Schröpfgläser zur Durchblutungssteigerung ein.
  • Ich arbeite mit dynamischen Wiederholungen, bis sich die Faszienverschieblichkeit palpatorisch verbessert.
  • Ich hole kontinuierlich Feedback vom Patienten ein: Bewusste tiefe Atmung und direkte Kommunikation helfen mir, auf Reaktionen oder vegetative Fehlreaktionen einzugehen.

2) Ventralen Vagus aktivieren

Nach der sympathikotonen Stimulation leite ich die parasympathische Gegenregulation ein.

Technik:

  • Ich führe eine sanfte, kreisende Mobilisation an der Linea nuchae auf Höhe von C2 in Rückenlage durch.
  • Die Behandlungsdauer ist entscheidend: Ich mobilisiere so lange, bis der Patient eine tiefe parasympathische Entspannung erreicht.

3) Heimberatung

Zur Unterstützung der Eigenregulation gebe ich dem Patienten gezielte Anleitungen mit:

  • Augenübungen zur Aktivierung des ventralen Vagus
  • Atemtechniken zur Förderung einer tiefen, bewussten Atmung
  • Anleitungen zur Faszienpflege, um die verbesserte Gewebeverschiebbarkeit zu erhalten

Fazit und Ausblick

In diesem letzten Beitrag zur Regulation des Sympathikus fasse ich das Wesentliche noch einmal zusammen:

  • Zunächst wird der Sympathikus gezielt stimuliert, um eine initiale vegetative Anpassung zu erreichen.
  • Anschliessend fördere ich durch die Vagus-Aktivierung eine gezielte parasympathische Gegenregulation.
  • Die Therapie wird durch Heimübungen ergänzt, um eine langfristige vegetative Balance zu unterstützen.

Mit diesem Blog endet meine Themenreihe. Ab dem Jahr 2026 werde ich mich einem neuen, spannenden Fachbereich widmen – lass dich überraschen!

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