Der Aufbau einer Kiefergelenk-Befundung – TMG (Teil 2)

Eine sorgfältige Befundung des Kiefergelenks ist die Grundlage für eine gezielte und erfolgreiche Behandlung. Durch verschiedene Untersuchungsschritte können Funktionsstörungen, Schmerzen und mögliche Ursachen erkannt werden. Dazu gehören die Funktionsprüfung, die dynamische Kompression sowie das sogenannte Muscle Coaching. Diese Methoden ermöglichen eine individuelle Einschätzung der Beschwerden und helfen, die passende Therapie für jeden einzelnen Patienten festzulegen.

Aufteilung der Befundung

Zunächst wird die Funktion des Kiefergelenks überprüft, um Einschränkungen, Schmerzen und Geräusche festzustellen. Um den Befund weiter zu differenzieren, wird anschliessend eine Kompressionstechnik auf den Kiefer ausgeübt. Anhand dieser Befundergebnisse wird ein spezifisches Muscle Coaching angewendet, wobei sich die Symptomatik verbessern oder verschlechtern kann; in manchen Fällen zeigt sich auch keine Veränderung. Aufgrund dieser Reaktionen wird entschieden, wie die Behandlung weiter geplant wird und welche Technik am geeignetsten ist. Dabei spielt auch klinische Erfahrung eine Rolle, da jeder Fall individuell ist und es keinen universellen „0815-Behandlungsplan“ gibt, der in jedem Fall gleichermaßen wirksam ist.

Funktionsprüfung

Bei der Funktionsprüfung werden Veränderungen bei der Mundöffnung und -schliessung (ROM = Range of Motion), seitliche Abweichungen, Bewegungen nach vorne und hinten sowie Geräusche und Schmerzen erfasst. Zunächst erfolgt ein Sichtbefund, anschliessend ein Tastbefund, während der Mund erneut geöffnet und geschlossen wird.

Bei der Mundöffnung ist insbesondere relevant, wie weit der Mund geöffnet werden kann. Dies wird häufig mit Querfingern gemessen: Idealerweise sollten zwei bis drei Querfinger zwischen die oberen und unteren Schneidezähne passen. Gelingt dies nicht und sind es zwei oder weniger, spricht man von einer Kieferklemme. Je geringer der Abstand, desto ausgeprägter ist die Einschränkung, da eine eingeschränkte Mundöffnung das Essen und Trinken beeinträchtigen kann.

Anhand der seitlichen Abweichung lässt sich beurteilen, wie gut die Kiefergelenksmuskulatur angesteuert wird. Dabei kann eine Seite dominieren, während die andere Seite eine Schwäche zeigt. In diesem Fall können detonisierende Massnahmen auf der dominanten Seite und aktivierende Massnahmen auf der schwächeren Seite sinnvoll sein. Alternativ kann auch eine strukturelle Dysfunktion im Gelenk oder eine nervale Blockade vorliegen, was im weiteren Verlauf durch die dynamische Kompression und das Muscle Coaching genauer beurteilt wird.

Dynamische Kompression

Tritt beim Öffnen oder Schliessen des Mundes ein Knacken auf, wird mittels dynamischer Kompression eine genauere Diagnostik durchgeführt. Dadurch können folgende mögliche Ursachen eingegrenzt werden:

  • Diskusbedingte Ursache (discogen)
  • Bandstrukturen um das Kiefergelenk als Ursache (ligamentär)
  • Degenerative Gewebeveränderungen durch Verschleiss (degenerative Hyperplasie)
  • Überbeweglichkeit des Kiefergelenks (Hypermobilität)

Muscle Coaching

Beim Muscle Coaching im Rahmen der Befundung und Behandlung des Kiefergelenks (CMD = Craniomandibuläre Dysfunktion) handelt es sich um eine manuelle, neuromuskuläre Methode, bei der die Kaumuskulatur gezielt getestet, reguliert und neu koordiniert wird.

Der Patient wird aufgefordert, den Mund zu öffnen, während der Therapeut einen leichten Gegendruck ausübt. Diese Position soll vom Patienten für einen kurzen Moment gehalten werden, bevor er wieder locker lässt. Anschliessend bringt der Therapeut das Kiefergelenk passiv durch eine Dehnung weiter in die Mundöffnung. Dabei muss der Patient nichts aktiv tun, ausser die Muskulatur möglichst entspannt zu lassen.

Durch die erste Phase wird die Muskulatur, die für die Mundöffnung verantwortlich ist, aktiviert. Durch die zweite Phase wird die Muskulatur, die den Mund schliesst, gedehnt. Zeigt sich bei der anschliessenden Funktionsprüfung eine Verbesserung der Beschwerden, kann daraus geschlossen werden, dass die Ursache wahrscheinlich muskulär ist. Entsprechend sollte die Muskulatur rund um das Kiefergelenk gezielt behandelt werden.

Zusammengefasst heisst das:

Bei der Befundung des Kiefergelenks werden zunächst Funktion, Beweglichkeit, Schmerzen und Geräusche überprüft. Mithilfe von Funktionsprüfung, dynamischer Kompression und Muscle Coaching können mögliche Ursachen wie Muskel-, Band-, Diskus- oder Gelenkprobleme identifiziert werden. Die gewonnenen Ergebnisse dienen als Grundlage für die Planung einer individuell angepassten Behandlung, da jeder Fall unterschiedlich ist.

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